Buchhaltung
Rechnungseingang automatisieren: Eingangsrechnungen ohne Umlaufmappe
Ausdrucken, stempeln, Kostenstelle draufschreiben, in die Abteilung tragen, zurück in die Buchhaltung. So läuft die Eingangsrechnung in vielen Betrieben noch heute. Es geht auch anders, und zwar ohne neue Buchhaltungssoftware.
Fragen Sie in Ihrer Buchhaltung einmal, wo die Rechnung von letzter Woche gerade liegt. Wenn die Antwort mit „Moment, ich schau mal“ beginnt, lohnt sich dieser Beitrag.
Der Rechnungseingang ist in den meisten mittelständischen Betrieben der Prozess, der sich am schnellsten und am saubersten automatisieren lässt. Die Abläufe sind klar, die Regeln stehen fest, und das Ziel ist in fast allen Fällen dasselbe: DATEV oder das ERP.
Wie der Rechnungseingang heute meistens läuft
- Die Rechnung kommt per Post, als PDF im Postfach oder inzwischen als E-Rechnung.
- Jemand druckt sie aus oder legt sie in einen Ordner auf dem Laufwerk.
- Kostenstelle, Sachkonto und Bestellnummer werden ergänzt, oft von Hand.
- Die Rechnung geht zur fachlichen Freigabe an den Besteller oder die Abteilungsleitung.
- Nach der Freigabe kommt sie zurück und wird gebucht oder an den Steuerberater übergeben.
Jeder dieser Schritte ist einzeln harmlos. Zusammen ergeben sie eine Durchlaufzeit von Tagen, verlorene Skonti und eine Buchhaltung, die einen guten Teil ihrer Zeit mit Suchen verbringt.
Wie es automatisiert aussieht
Ein automatisierter Rechnungseingang ändert nicht, wer entscheidet. Er ändert, wie die Rechnung zu dieser Person kommt.
- Eingang an einer Stelle: Ein eigenes Postfach, zum Beispiel rechnung@ihre-firma.de, nimmt alle Rechnungen an. Papierrechnungen werden einmal gescannt.
- Auslesen: Lieferant, Rechnungsnummer, Datum, Beträge, Steuersätze und Positionen werden erkannt. Bei E-Rechnungen im Format XRechnung oder ZUGFeRD stehen diese Daten schon strukturiert in der Datei. Bei PDFs und Scans übernimmt das eine KI, die auch unbekannte Layouts lesen kann.
- Prüfen: Die Rechnung wird mit Bestellung und Lieferschein abgeglichen. Stimmen Menge und Preis, ist sie sachlich geprüft. Weicht etwas ab, wird genau diese Abweichung markiert.
- Freigeben: Die zuständige Person bekommt eine Nachricht mit allen Unterlagen und gibt per Klick frei, auch vom Handy aus. Wer zuständig ist, folgt festen Regeln: Kostenstelle, Betragsgrenze, Lieferant.
- Übergeben: Freigegebene Belege gehen mit Buchungsvorschlag an DATEV Unternehmen online oder direkt ins ERP.
Wichtig ist die Trennung: Die KI liest und sortiert. Gebucht wird nach festen Regeln. Freigegeben wird von einem Menschen. Wofür KI taugt und wofür nicht, haben wir in KI im Mittelstand: acht Anwendungsbeispiele ausführlicher beschrieben.
Rechnet sich das?
Das hängt fast nur an zwei Zahlen: wie viele Rechnungen pro Monat eingehen und wie lange eine davon heute dauert. Eine Beispielrechnung mit vorsichtigen Annahmen:
| Heute | Automatisiert | |
|---|---|---|
| Eingangsrechnungen pro Monat | 300 | 300 |
| Minuten je Rechnung (Erfassen, Zuordnen, Nachlaufen) | 10 | 2 |
| Stunden pro Monat | 50 | 10 |
| Kosten pro Jahr bei 48 € je Stunde | 28.800 € | 5.760 € |
Die zwei Minuten je Rechnung bleiben für Prüfung und Ausnahmen. Ihre eigenen Zahlen können Sie im Kostenrechner auf unserer Startseite einsetzen.
Nicht in der Tabelle stehen die Effekte, die oft schwerer wiegen: Skonto, das nicht mehr verfällt, weil die Freigabe nicht drei Tage auf einem Schreibtisch liegt. Und eine Vertretung, die funktioniert, wenn die Kollegin aus der Buchhaltung im Urlaub ist.
Die E-Rechnung gleich mit erledigen
Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Unternehmen in Deutschland E-Rechnungen empfangen können. Viele behelfen sich bisher, indem sie die XML-Datei in ein PDF umwandeln und dann weitermachen wie immer. Das funktioniert, verschenkt aber genau den Vorteil der E-Rechnung: Die Daten liegen schon strukturiert vor und müssen nicht mehr gelesen werden.
Ein automatisierter Rechnungseingang verarbeitet XRechnung und ZUGFeRD direkt, und PDFs und Papier laufen über denselben Weg. Was ab 2027 und 2028 auf Sie zukommt, steht in unserem Beitrag zur E-Rechnungspflicht.
Typische Stolperfallen
- Unklare Freigaberegeln. Wer darf was bis zu welchem Betrag freigeben? Wenn das heute „kommt drauf an“ heißt, klären wir das vor der Automatisierung. Sonst wird nur das Durcheinander schneller.
- Rechnungen ohne Bestellung. Strom, Miete, Software-Abos. Dafür braucht es einen eigenen, einfachen Weg, etwa eine Dauerfreigabe je Lieferant.
- Unsaubere Stammdaten. Wenn derselbe Lieferant dreimal im System steht, findet auch die beste Software die Bestellung nicht. Die Bereinigung gehört in Woche eins.
- Alles auf einmal. Fangen Sie mit den Lieferanten an, die die meisten Rechnungen schicken. Oft machen zehn Lieferanten die Hälfte des Volumens aus.
Brauchen wir dafür neue Software?
In den meisten Fällen nicht. DATEV, Ihr ERP und Ihr E-Mail-Postfach bleiben. Wir verbinden sie so, dass die Rechnung ihren Weg selbst findet. Wo es eine Schnittstelle gibt, nutzen wir sie. Wo nicht, finden wir einen sauberen Umweg.
Kurz zusammengefasst
- Der Rechnungseingang ist fast immer der beste erste Kandidat für Automatisierung.
- KI liest unordentliche Belege, feste Regeln buchen, ein Mensch gibt frei.
- E-Rechnungen werden direkt verarbeitet statt in PDFs umgewandelt.
- Erst Freigaberegeln und Stammdaten klären, dann automatisieren.
Sie wollen wissen, wie viel Zeit Ihr Rechnungseingang heute kostet? Im Prozess-Check schauen wir uns den Ablauf einen Tag lang bei Ihnen an und sagen Ihnen danach ehrlich, ob und wie schnell sich das rechnet.